Gemeinsam erinnern: Sieben neue Erinnerungszeichen in der Prinz-Ludwig-Straße

Sieben ehemalige Mieter*innen, sieben bewegende Lebensgeschichten: In der Maxvorstadt hat die Münchner Wohnen neue Erinnerungszeichen angebracht. Die Biografien der Menschen dahinter haben die Auszubildenden des Unternehmens recherchiert. Sie übernehmen auch die Patenschaft für die sieben Erinnerungszeichen.

In den 1930er- und 1940er-Jahren lebten in der Prinz-Ludwig-Straße zwischen Türken- und Barerstraße mehrere Mieter*innen der Vorgängerunternehmen der Münchner Wohnen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Mit den neuen Erinnerungszeichen wird an ihre Schicksale erinnert.

Bei einer Gedenkveranstaltung im Juli, gedachte die Münchner Wohnen an den Eingängen der ehemaligen Wohnhäuser sieben ihrer früheren Mieter*innen. Neben Münchens Zweiter Bürgermeisterin Mona Fuchs nahmen auch Angehörige der Familie Thannhauser teil, die aus den USA und Israel angereist waren. Eingeladen waren außerdem die Bewohner*innen der umliegenden Häuser.

Lebensgeschichten sichtbar machen

Die Auszubildenden berichteten bei der Veranstaltung über die Lebenswege der Menschen, deren Geschichten sie in den vergangenen Monaten recherchiert hatten. Gedacht wird Charlotte, Josefa und Lina Thannhauser, Emma Kitzinger, Johanna Maurus sowie Elsa und Theodor Mendle.

Ihre Biografien stehen für die Entrechtung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Münchner*innen während der NS-Zeit. Während einigen Angehörigen die Flucht ins Ausland gelang, wurden andere deportiert oder verloren unter den unmenschlichen Bedingungen der Ghettos und Lager ihr Leben.

Das Erinnerungszeichen-Projekt ist Teil des zweiten Ausbildungsjahres bei der Münchner Wohnen. Gemeinsam mit Public History im Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Historikerin Dr. Christiane Fritsche haben zwölf Auszubildende die Biografien recherchiert. Dazu gehörten auch Besuche im Stadtarchiv und im NS-Dokumentationszentrum sowie Projekttage.

Seit dem vergangenen Jahr gehört außerdem eine Studien- und Gedenkreise zum Projekt. Im vergangenen Jahr besuchten die Azubis unter anderem das ehemalige Ghetto in Vilnius. In diesem Herbst folgt eine Reise zum Konzentrationslager Theresienstadt.

„Das Erinnerungszeichen-Projekt hat uns Azubis gezeigt, dass Geschichte durch persönliche Schicksale wirklich greifbar wird“, sagt Barbara Stankic, Auszubildende zur Immobilienkauffrau. „Die Biografien, die wir recherchiert haben, zeigen, wohin Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit führen können. Wir sind dankbar, dass wir dazu beitragen konnten, die Erinnerung an unsere Mieter*innen lebendig zu halten.“

Zwei Jugendliche: einer spricht ins Mikrofon, der andere hält eine kleine Gedenktafel.
© Jonas Nefzger

Erinnerung als Teil unserer Unternehmenskultur

„Die Erinnerung an die Schicksale unserer ehemaligen Mieterinnen und Mieter ist heute ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur der Münchner Wohnen“, sagt Jörg Franzen, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Unsere Auszubildenden setzen sich mit Lebensgeschichten auseinander und erfahren, wie wichtig menschliche Werte wie Respekt und Wertschätzung für unsere Gesellschaft sind.“

Bereits zum vierten Mal hat die Münchner Wohnen das Erinnerungsprojekt umgesetzt. In den vergangenen Jahren wurden bereits Erinnerungszeichen in Neuhausen, Giesing, Sendling und Harlaching angebracht.

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.erinnerungszeichen.de.

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