An der Prinz-Ludwig-Straße hat die Wohnungsbaugesellschaft der Landeshauptstadt München ehemaligen Mieter*innen, die Opfer der Nationalsozialisten wurden, gedacht und Erinnerungszeichen an ihren früheren Wohngebäuden angebracht. Azubis der Münchner Wohnen hatten in den vergangenen Monaten deren Schicksale recherchiert. Zu der bewegenden Veranstaltung waren auch Angehörige aus den USA und Israel angereist.
In den 1930er- und 1940er-Jahren lebten in der Prinz-Ludwig-Straße zwischen Türken- und Barer Straße mehrere Mieter*innen der Vorgängerunternehmen der Münchner Wohnen, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden – nur wenige Minuten vom Karolinenplatz, den Pinakotheken und zugleich von der damaligen Machtzentrale der Nationalsozialisten entfernt. Im Rahmen einer jährlichen Gedenkveranstaltung am Dienstag, 21. Juli 2026, gedachte die Münchner Wohnen an den Eingängen der ehemaligen Wohnhäuser sieben ihrer Mieter*innen und brachte Erinnerungszeichen an. An der Veranstaltung nahmen neben Münchens Zweiter Bürgermeisterin Mona Fuchs auch Angehörige der Familie Thannhauser teil, die eigens aus den USA und Israel angereist waren. Auch die Bewohner*innen der umliegenden Häuser der Münchner Wohnen wurden zu der Veranstaltung eingeladen.
Erinnerung wachhalten
An den jeweiligen Wohnhäusern berichteten die Auszubildenden der Münchner Wohnen über die Lebenswege der Personen, die sie im Rahmen eines Erinnerungsprojektes recherchiert hatten. Die Azubis übernahmen die Patenschaft für die sieben in der Maxvorstadt angebrachten Erinnerungszeichen, die an jene damaligen Bewohner*innen erinnern, deren Leben durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört wurden.
Gedacht wurde Charlotte, Josefa und Lina Thannhauser, Emma Kitzinger, Johanna Maurus sowie Elsa und Theodor Mendle. Ihre Biografien stehen für die Entrechtung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Münchner*innen. Während einigen ihrer Angehörigen die Flucht ins Ausland gelang, wurden andere deportiert, in den Tod getrieben oder verloren unter den unmenschlichen Bedingungen der Ghettos und Lager ihr Leben.
Das Erinnerungszeichen-Projekt ist ein fester Bestandteil des zweiten Ausbildungsjahres bei der Münchner Wohnen und geht auf eine Initiative von Christian Smolka, Stadtrat und Aufsichtsratsmitglied der Münchner Wohnen, zurück. In Zusammenarbeit mit Public History im Kulturreferat der Landeshauptstadt München und der Historikerin Dr. Christiane Fritsche haben die zwölf Auszubildenden in den vergangenen Monaten die Biografien der ehemaligen Mieter*innen recherchiert; Teil des Projekts sind zudem Besuche im Stadtarchiv und im NS-Dokumentationszentrum sowie Projekttage. Seit dem vergangenen Jahr wird das Projekt um eine Studien- und Gedenkreise ergänzt. Damals hatten die Azubis in Litauen unter anderem das ehemalige Ghetto in Vilnius besucht, in diesem Herbst folgt eine Reise zum Konzentrationslager Theresienstadt.
Barbara Stankic, Auszubildende zur Immobilienkauffrau bei der Münchner Wohnen, sagt: „Das Erinnerungszeichen-Projekt hat uns Azubis gezeigt, dass Geschichte durch persönliche Schicksale wirklich greifbar wird. Die Biografien, die wir recherchiert haben, zeigen, wohin Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit führen können. Wir Azubis sind dankbar, dass wir dazu beitragen konnten, die Erinnerung an unsere Mieter*innen lebendig zu halten.“
Wir übernehmen Verantwortung
„Die Erinnerung an die Schicksale unserer ehemaligen Mieterinnen und Mieter ist heute ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur der Münchner Wohnen“, sagt Jörg Franzen, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Unsere Auszubildenden setzen sich mit Lebensgeschichten auseinander und erfahren, wie wichtig menschliche Werte wie Respekt und Wertschätzung für unsere Gesellschaft sind. Zugleich übernehmen wir als Unternehmen Verantwortung, aus unserer Geschichte zu lernen. Mein herzlicher Dank gilt unseren Azubis, die mit großem Engagement und viel Einfühlungsvermögen dazu beitragen, dass die Erinnerung an diese Menschen nicht vergessen wird.“
Bereits zum vierten Mal hat die Münchner Wohnen dieses erinnerungskulturelle Projekt realisiert. In den vergangenen Jahren wurden in diesem Rahmen bereits Erinnerungszeichen in Neuhausen, Giesing, Sendling und Harlaching angebracht.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter www.erinnerungszeichen.de.
